Wer träumt nicht davon? Endlose Serpentinen in Peru, der raue Wind der Anden im Gesicht oder die majestätische Einsamkeit des Himalayas. Motorradtouren in diesen Regionen gehören zum Spektakulärsten, was man auf zwei Rädern erleben kann. Doch wer sich in Regionen jenseits der 2.500 Meter bewegt, nimmt unweigerlich einen unsichtbaren Beifahrer an Bord: das Gespenst der Höhenkrankheit. Damit dir auf halber Strecke zum Pass nicht die Puste ausgeht, erfährst du hier, was hinter dem Phänomen steckt und wie du dich effektiv schützt.
Kurz gesagt: Höhenkrankheit kann bereits ab etwa 2.500 Metern auftreten. Das Risiko steigt, wenn man zu schnell an Höhe gewinnt. Für Motorradreisende im Himalaya oder in den Anden sind eine langsame Akklimatisation, ausreichend Flüssigkeit und das ernsthafte Beobachten von Symptomen besonders wichtig. Eine gut geplante Route kann die Akklimatisation unterstützen, Höhenkrankheit aber nicht vollständig verhindern.
Kurz gesagt: Die Höhenkrankheit (medizinisch Akute Bergkrankheit oder AMS) ist der lautstarke Protest deines Körpers gegen akuten Sauerstoffmangel. Je höher du fährst, desto niedriger wird der Luftdruck. Die Luft wird sprichwörtlich dünner. Mit jedem Atemzug gelangt weniger Sauerstoff in deine Lunge und somit auch in dein Blut. Dein Körper versucht das auszugleichen, indem er den Puls hochjagt und dich atmen lässt wie nach einem Sprint. Wenn du ihm jedoch keine Zeit gibst, sich an diese Umstellung anzupassen, schlägt er Alarm.
Höhenkrankheit kann bereits ab etwa 2.500 Metern auftreten. Ab etwa 3.000 Metern sollte man deshalb besonders auf mögliche Symptome achten.
Wie gut jemand die Höhe verträgt, ist individuell sehr unterschiedlich und hat nur wenig mit Alter oder körperlicher Fitness zu tun. Auch gut trainierte und erfahrene Motorradfahrer können von Höhenkrankheit betroffen sein.
Die ersten Symptome der Höhenkrankheit sind meistens:
Natürlich möchte niemand auf seiner Once-in-a-lifetime Motorradreise das Risiko eingehen, dass das Abenteuer seiner Träume durch einen Streik des Körpers zum Alptraum wird.
Die gute Nachricht ist: Du bist der Höhenkrankheit nicht schutzlos ausgeliefert. Mit der richtigen Taktik im Sattel und am Küchentisch lässt sich das Risiko minimieren, aber nicht vollständig ausschließen.
Der größte Fehler im Hochgebirge ist übertriebener Ehrgeiz. Wer im Eiltempo von Null auf 4.000 Meter jagt, provoziert den Totalausfall. Die wichtigste Regel lautet daher: Langsam höher fahren und die Schlafhöhe nur schrittweise steigern. Gib deinem Körper Zeit, sich an den geringeren Sauerstoffpartialdruck in der Höhe anzupassen. Eine goldene Faustregel besagt, ab einer Höhe von 3.000 Metern die Schlafhöhe pro Tag um nicht mehr als 300 bis 500 Höhenmeter zu steigern.
In der Höhe läuft deine Verdauung im Schongang, weil der Körper die Energie für wichtigere Dinge (wie Atmen und Herzschlag) braucht. Ein deftiges Schnitzel oder schwere, fettige Speisen liegen dir dann wie ein Ziegelstein im Magen und rauben dir die letzte Energie. Setze stattdessen auf leicht verdauliche, kohlenhydratreiche Kost. Nudeln, Reis, Kartoffeln, Linsen, Suppen oder Bananen sind perfekt. Sie liefern schnelle Energie, ohne deinen Magen in den Streik zu treiben.
Es gibt kaum etwas Besseres, als nach einem harten Ritt im Sattel mit den Kumpels auf den geschafften Pass anzustoßen. Im Hochgebirge solltest du das sogenannte Stiefel-Bier oder den Pisco Sour jedoch für ein paar Tage links liegen lassen. Alkohol entzieht dem Körper ohnehin schon Wasser. In der extrem trockenen Höhenluft dehydrierst du dadurch im Zeitraffer. Zudem unterdrückt Alkohol den nächtlichen Atemantrieb – du nimmst im Schlaf also noch weniger Sauerstoff auf. Die Folge? Das Erwachen am nächsten Morgen fühlt sich an wie der schlimmste Kater deines Lebens, selbst nach nur einem Glas. Trinke stattdessen literweise Wasser oder lokalen Tee (wie den berühmten Coca-Tee in Peru oder den köstlichen Ingwer-Tee im Himalaya).
Beschwerden solltest du ernst nehmen und dem Reiseleiter mitteilen. Zunächst gilt: nicht weiter an Höhe gewinnen und den eigenen Zustand beobachten. Unsere Unterkünfte in den hoch gelegenen Regionen verfügen über Sauerstoff, der bei Bedarf zur Verfügung steht. Sollte es notwendig sein, kann ein Teilnehmer jederzeit im Begleitfahrzeug mitfahren. Bei stärkeren oder sich verschlechternden Symptomen ist ein Abstieg in eine tiefer gelegene Region die wichtigste Maßnahme. Denn mit abnehmender Höhe steigt der Sauerstoffpartialdruck, sodass dem Körper mit jedem Atemzug wieder mehr Sauerstoff zur Verfügung steht.
Theorie ist gut, die richtige Praxis ist besser. Genau aus diesem Grund haben wir bei Motor2Travel unsere geführte Motorradtour durch das Spiti Valley und Ladakh so konzipiert, dass wir langsam an Höhe gewinnen. Und natürlich ist das Spiti Valley selbst schon ein Höhepunkt der Reise.
Wir starten nicht direkt in Leh auf rund 3.500 Metern, sondern in Chandigarh auf nur etwa 350 Metern Höhe. Von dort führt unsere Route zunächst über Shimla auf rund 2.276 Metern. Erst nach sechs Tagen übernachten wir im Spiti Valley auf einer Höhe von etwa 3.660 Metern. So gewinnt unser Körper über mehrere Tage allmählich an Höhe und bekommt Zeit, sich zu akklimatisieren, bevor wir die höchsten Regionen und Pässe des Himalayas erreichen.
Diese bewusst gewählte Routenführung unterstützt die Akklimatisation und reduziert das Risiko von Höhenproblemen. So bleibt mehr Raum für das, worum es bei dieser Reise geht: Motorradfahren, die Bergwelt des Himalayas und die Begegnungen unterwegs.
Aus unserer Erfahrung mit Motorradreisen im Himalaya und in den Anden wissen wir, dass nicht nur die maximale Höhe entscheidend ist, sondern vor allem, wie schnell man sie erreicht und auf welcher Höhe man übernachtet. Bisher musste noch keiner unserer Teilnehmer eine Reise aufgrund von Höhenkrankheit abbrechen.
Du möchtest selbst mit dem Motorrad durch einige der höchsten Regionen der Welt fahren? Entdecke unsere geführte Indien Himalaya Spiti & Ladakh Motorradtour oder unsere Peru Inka Motorradtour durch die Anden