Einmal im Leben durch die weiten Landschaften Tansanias fahren, abgelegene Bergpässe im Himalaya überqueren oder den dichten Dschungel Südostasiens auf zwei Rädern erkunden – davon träumen viele Motorradfahrer.
Bei der Planung einer solchen Fernreise wandern die Gedanken schnell zu großen Reiseenduros: viel Leistung, viel Technik, Alukoffer und ordentlich Gewicht. Auf europäischen Straßen ist das komfortabel und macht Spaß. Doch sobald der Asphalt endet und es über Schotter, Sand, Naturstraßen oder schmale Bergpisten geht, zählen plötzlich ganz andere Eigenschaften.
Auf vielen unserer Motorradreisen haben sich deshalb leichte Maschinen zwischen 150 und 450 ccm bewährt. Nicht weil größere Motorräder grundsätzlich schlechter sind, sondern weil unter den Bedingungen vor Ort oft andere Dinge wichtiger werden: wenig Gewicht, Handlichkeit, Robustheit und einfache Technik.
Wir bei Motor2Travel organisieren seit vielen Jahren
Motorradreisen in Afrika, Asien und Lateinamerika und kennen die Diskussion nur zu gut. Wer zu Hause eine große Reiseenduro fährt, schaut manchmal zunächst etwas skeptisch auf eine 150er oder 250er. Doch unterwegs zeigt sich schnell, warum wir auf vielen unserer Reisen ganz bewusst kleinere Motorräder einsetzen.
Weniger Gewicht kann mehr Kontrolle bedeuten, weniger Leistung entspannteres Fahren – und manchmal macht ein kleines Motorrad auf den richtigen Strecken einfach verdammt viel Spaß. Aber warum eigentlich?

Beginnen wir mit einem der größten Vorteile kleiner Motorräder: dem Gewicht. Eine große Reiseenduro bringt vollgetankt schnell weit über 200 Kilogramm auf die Waage. Auf Asphalt spielt das kaum eine Rolle. Doch auf losem Schotter, Sand, Schlamm oder bei einer Flussdurchquerung sieht die Sache anders aus.
Ein leichtes Motorrad lässt sich unter solchen Bedingungen einfacher kontrollieren und korrigieren. Gerät das Vorderrad ins Rutschen oder verliert man kurz das Gleichgewicht, macht jedes Kilo weniger einen deutlichen Unterschied. Und wenn die Maschine doch einmal umfällt, steht sie meistens schneller wieder auf den Rädern. Gerade auf längeren Reisen spart das nicht nur Kraft, sondern oft auch Nerven.
Unsere Motorradreisen dauern meistens zwischen 10 und 20 Tage und an vielen Tagen sitzen wir mehrere Stunden im Sattel. Gerade auf losem Untergrund kostet ein schweres Motorrad deutlich mehr Kraft als eine leichte Maschine.
Mit zunehmender Erschöpfung lassen Konzentration und Reaktionsvermögen nach. Ein handliches Motorrad spart deshalb nicht nur Kraft, sondern sorgt auch dafür, dass der Fahrspaß nach mehreren Tagen im Sattel erhalten bleibt.
Unsere Motorradreisen sind keine Enduro-Rennen. Es gibt keinen Preis für denjenigen, der als Erster am Hotel ankommt. Wir wollen unterwegs sein, Motorrad fahren und gleichzeitig etwas vom Land mitbekommen.
Auf Schotter, schmalen Bergstraßen oder zwischen Schlaglöchern, Tieren und lokalem Verkehr kannst du 80 oder 100 PS ohnehin nur selten sinnvoll nutzen. Ein kleinerer Motor bietet für solche Strecken meist mehr als genug Leistung – und manchmal entdeckt man bei etwas weniger Tempo sogar mehr vom Land.

Auch wirtschaftlich haben kleinere Motorräder Vorteile. Sie sind in der Anschaffung und im Unterhalt günstiger, was sich letztendlich auch im Reisepreis bemerkbar macht.
Noch wichtiger ist für uns jedoch die Technik. Für gängige, lokal verbreitete Motorräder sind Ersatzteile meist leichter zu beschaffen und Reparaturen unkomplizierter als bei einer großen High-Tech-Reiseenduro. Gerade wenn wir weit entfernt von der nächsten Markenwerkstatt unterwegs sind, ist einfache und robuste Technik ein großer Vorteil.
In vielen unserer Reiseländer gehören kleine Motorräder ganz selbstverständlich zum Straßenbild. Sie bringen Menschen zur Arbeit oder zum Markt, transportieren ganze Familien und manchmal mehr Gepäck, als wir für möglich gehalten hätten. Mit einer kleineren Maschine fallen wir deshalb oft weniger aus dem Rahmen als mit einer Gruppe großer Reiseenduros.
Und genau das merken wir unterwegs. Motorräder sorgen ohnehin schnell für Gesprächsstoff, aber eine einfache 150er oder 250er wird neugierig angeschaut, verglichen und kommentiert. Manchmal kennt jemand das Modell, manchmal möchte jemand wissen, woher wir kommen oder wohin wir fahren. So entstehen ganz nebenbei Begegnungen, die sich nicht planen lassen – und die für uns genauso zu einer Motorradreise gehören wie eine gute Strecke.

Bei Motor2Travel wählen wir die Mietmotorräder passend zur Route und zu den Bedingungen vor Ort aus. Auf Reisen mit einem höheren Offroadanteil setzen wir bewusst auf leichtere Maschinen.
In Ostafrika, Kolumbien oder Nicaragua haben sich Motorräder zwischen 200 und 250 ccm auf unseren Strecken bestens bewährt.
Sie sind handlich, robust und gerade auf Schotter, Naturstraßen oder schwierigeren Passagen angenehm zu fahren.
In Vietnam ist unsere Standardmaschine sogar eine Kawasaki KLX 150. Und spätestens wenn wir eine Abkürzung über einen kleinen Trail nehmen, eine abenteuerliche selbstgebaute Bambusbrücke überqueren oder das Motorrad auf einem kleinen Bambusfloß über einen Fluss bringen, weißt du das geringe Gewicht zu schätzen. Wer etwas mehr Leistung möchte, kann je nach Verfügbarkeit auf eine KLX 230 oder KLX 250 upgraden. Wer mit Sozius fährt, dem empfehlen wir die Kawasaki Versys-X 300.
In Indien gehört die Royal Enfield Himalayan fast schon zur Reise dazu. Hier kannst du zwischen der bewährten Himalayan 411 und der neuen 450er wählen.
Ganz anders sieht es in Peru und Patagonien aus. Dort fahren wir längere Tagesetappen und die Strecken stellen andere Anforderungen an das Motorrad. Deshalb beginnen unsere Mietmotorräder hier bei 450 ccm. Neben der CFMoto 450 stehen je nach Reise und Verfügbarkeit auch größere Maschinen zur Wahl, von der Honda Africa Twin bis zur BMW R 1300 GS.
Genau darum geht es uns: nicht möglichst viel Hubraum, sondern das Motorrad, das zur jeweiligen Reise passt. Wer auf ein größeres Modell upgraden möchte, sollte allerdings früh buchen, denn gerade die größeren Motorräder sind nur begrenzt verfügbar.

Diese Frage hören wir immer wieder. Vor allem Motorradfahrer, die zu Hause eine große Reiseenduro fahren, können sich zunächst schwer vorstellen, mit 200 oder 250 ccm unterwegs zu sein. Wie gut diese Motorräder gerade auf den Strecken in Kolumbien funktionieren, beschreibt unser Teilnehmer Gunther auf die Kolumbien Karibik und Anden Motorradtour aus eigener Erfahrung:
„Die Motorräder sind mit 200 ccm zu klein? Absolut nicht. Diese Motorräder sind ideal für eine Reise dieser Art, vor allem für die vielen Offroad-Strecken. Ich fahre privat auch eine starke Cross-Enduro, kann aber sagen, dass ich mit der kleinen AKT jedem BMW-, Ténéré- oder Africa-Twin-Fahrer in Kolumbien gehörig um die Ohren sause – da kommt keiner mit.“
Weniger Gewicht bedeutet oft mehr Kontrolle. Weniger PS können entspannteres Fahren bedeuten. Und ein Motorrad, das sich vor Ort warten und reparieren lässt, ist auf einer Fernreise manchmal mehr wert als die neueste Technik.
Deshalb wählen wir unsere Mietmotorräder nicht nach Hubraum oder Prestige aus, sondern danach, was zur Strecke und zum Land passt. Mal sind das 150 ccm, mal 250 oder 450 ccm – und auf anderen Reisen darf es durchaus eine große Reiseenduro sein.
Am Ende zählt nicht, wie viele PS vor dem Hotel stehen, sondern was du unterwegs damit erlebst.